Gut Wardows Geschichte

Der Name Wardow taucht im Jahre 1270 erstmalig in einer Urkunde auf. Damals führte zu dieser Zeit eine nördliche „Via Regia“ von West nach Ost. An dieser königlichen Handelsroute war in Polchow eine Raststätte, während nordöstlich des heutigen Gutshauses in Wardow eine Wallburg lag. Die Erdanlage des Burgwalls ist noch erhalten.

Während zu Beginn noch von Klein Wardow und Groß Wardow die Rede war, sprach man ab dem 16. Jahrhundert nur noch von einem Gut Wardow. Klein Wardow gehörte damals der Familie von Hahn aus Basedow. Das Gut Klein Wardow wurde im Jahre 1405 an die von Lehsten verpfändet. Im Laufe des 15. Jahrhunderts erwarben sie auch Groß Wardow. Wardow blieb über mehrere Jahrhunderte hinweg Stammgut der Familie von Lehsten.

Im Jahre 1728 erwarb Heinrich Graf von Bassewitz das Gut Wardow mit Jahmen und Wozeten. Dieses wird unter anderem auch durch den „Reisebericht“ aus „Nimrods Tagebuch“ aus dem Jahre 1828 bestätigt. 1870 erwarb dann Johann Mierendorf das Gut. Als dieser dann um 1900 herum verstarb, vererbte er das Gut an seine vier Töchter. Zwei, namentlich Hedwig Groth und Amanda von Ammon behielten es bis zu seiner Auflösung 1934.

Bis zum weiteren Verkauf an Frau Bertha Mauch im Jahre 1941 gehörte das Gut der Mecklenburgischen Landgesellschaft. Bereits ein Jahr später wurde das Gebäude als „Maidenlager“ genutzt. Nach 1945 gab es unterschiedliche Nutzungen: Ab Mitte der 1950 er Jahre wurde das Gutshaus bis 2002 als Schule genutzt. Seit dem Sommer 2008 hat das inzwischen sehr stark vereinfachte Gutshaus neue Eigentümer, die Gebäude und Park renovieren.



Aus alten Zeiten - Nimrod’s Tagebuch

Aus dem Tagebuch eines englischen Herrenreiters.

Wardow - Prebberede - Gievitz.

19. August. - Begleitet vom Grafen verließen wir Doberan und fuhren in drei Wagen zum Grafen Bassewitz nach Wardow; die Entfernung dorthin beträgt kaum 26 (englische) Meilen, aber das gilt in Mecklenburg schon als gute Tagesleistung. Infolgedessen machten wir in Rostock Station, um eine Erfrischung zu nehmen und das Denkmal des tapferen Blücher zu besichtigen. Nach meinem Geschmack war das Standbild, dem eine sprechende Ähnlichkeit mit der Person des Marschalls nachgerühmt wird, nicht kriegerisch genug; denn es zeigt den alten Haudegen in einem Aufzug, als käme er soeben im Schlafrock aus dem Bette.

Da der Weg nach Wardow sehr schlecht war, so bestiegen wir in Rostock unsere Pferde und waren gegen sechs Uhr am Ziel. Die Gräfin war verreist, so gebrauchten wir nicht lange Zeit zur Toilette und konnten uns um sieben Uhr zu Tisch setzen, der mit zwei Ehrenpreisen des Großherzogs geschmückt war. Der große Bacon, der Stolz unseres Landes, hat das Wort geprägt: „Das höchste Vergnügen dieser Erde ist die Liebe, das nächste ? ein Rausch in guter Gesellschaft.”

Ich muss gestehen, dass ich an jenem Abend dem beistimmte; die großherzoglichen Pokale wurden gefüllt und mehr als einmal auf das Wohl des hohen Spenders geleert. Damit beim Feste des Bacchus auch der Gesang nicht fehle, gaben unser Wirt und Graf Hahn einige deutsche Trinklieder zum Besten, die, obwohl uns unverständlich, dennoch ihre Wirkung nicht verfehlten. Eine Tasse Kaffee und eine Pfeife beschlossen den Abend, und nach guter Landessitte lagen wir noch vor Mitternacht in den Federn. Der Name „Bassewitz”, der wörtlich übersetzt „Sohn des Ebers” bedeutet, ist in Deutschland sehr alt. Einen angenehmeren Gesellschafter als unseren liebenswürdigen Wirt kann man weit und breit suchen. Trotz seines vorzüglichen Stalles ist Graf Bassewitz mehr ein Mann des Bechers und der Tafelfreuden, als des Sattels und nicht so für Pferde passioniert, wie sein älterer Bruder. Als ich die Ansicht aussprach, dass die nächste Umgebung von Wardow, durch die wir heute gekommen waren, wie geschaffen sei für eine Meute und der Boden zweifellos imstande sei, einen vorzüglichen Szent zu halten, meinte der Graf, dass er mit dem Gedanken umginge, eine Hasenmeute zu halten, dass jedoch Foxhounds hier nicht am Platze seien, da es keine kleinen Coverts (Waldremisen) in der Gegend gäbe und es aussichtslos sei, einen Fuchs auf den großen Waldungen herauszudrücken. Gleich nach unserer Ankunft hatten wir schnell noch das Gestüt durchgesehen, das nach deutschen Begriffen nur klein ist. Es bestand aus zehn Mutterstuten und dem Beschäler Little John v. Juniper-Romanee, v. Gouty, der von Sir Charles Bunbury gezogen ist. Unter den zahlreichen Fohlen fiel besonders ein Produkt von Plumber als gut gemacht auf; dieses besaß für 1830 ein Engagement in Doberan.

Die Wardower Begüterung ist recht groß; wie alle deutschen Edelleute überlässt der Graf jedoch die Bewirtschaftung seinem Inspektor, für dessen Gebrauch drei Pferde im Stalle standen. Ich habe schon früher die ungeheuren Baulichkeiten erwähnt, die in Deutschland für die Aufbewahrung des Getreides aufgeführt werden müssen, weil das dortige Klima es nicht gestattet, die Getreidemieten wie in England im Freien überwintern zu lassen. In Wardow sah ich neben verschiedenen kleineren, zwei Scheunen von 80 Meter Länge! Durch diese Lasten werden die ohnehin geringen Erträge der deutschen Landwirtschaft noch schmaler zumal bei den niedrigen Getreidepreisen.

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